Die hochauflösenden Kameras der neuen Smartphones entwickeln sich immer mehr zu den schärfsten Konkurrenten der professionellen Filmausstattung. Ein Trend, der sich zuletzt vor allem im privaten Anwendungsbereich bemerkbar machte, schlägt nun auch voll in die Berufswelt ein. Das Resultat: veränderte Formen der Kommunikation und neue Berufsbilder.
Inzwischen ist selbst eingefleischten Verweigerern von technischen Neuentwicklungen klar, dass insbesondere im Bereich der mobilen Telefonie in jüngster Vergangenheit kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Größere Displays, gesteigerte Rechnerleistungen, unzählige Hilfsprogramme und nicht zuletzt hochauflösende Kameras haben die Mobiltelefone nicht nur aufgewertet. Vielmehr kam es hier zu einer kompletten Umwandlung des Anwendungsbereichs. Entscheidend beim Kauf des Telefons sind hier nicht mehr dessen Empfangswerte oder andere wesentliche Kriterien, die Einfluss auf das Telefonieren selbst haben. Vielmehr entscheiden die jeweils vorhandenen Features eines Smartphones, ob sich dieses zum Kassenschlager oder zum unverkäuflichen Ladenhüter entwickelt.
Diese Entwicklung bringt auch ein geändertes Kommunikationsverhalten mit sich. Der Einzelne ich nicht mehr ausschließlich Konsument der Medien. Vielmehr brechen immer mehr Menschen aus ihrer Rolle als Empfänger aus und verwandeln sich in eine Mischung aus Produzent und User. Der „Prod-User” filmt spontan, was ihm vor die (hochwertige) Linse seines Smartphones kommt, verfasst eventuell einen kleinen Kommentar und lädt das Ergebnis selbst bei den entsprechenden Plattformen hoch. Die eigentliche Information tritt dabei in den Hintergrund. Einzig der möglichst reißerische Charakter des Werks verschafft demselbigen seine Lebensberechtigung.
Bislang ignorierten professionelle Filmemacher oder Journalisten stur diese rasch um sich greifende Entwicklung. Bestenfalls wurde diese Variante der Kommunikation belächelt oder als private Spielerei eingesetzt. Mittlerweile jedoch zücken selbst Angehörige dieser beiden Berufsgruppen ihre mobilen Endgeräte und filmen dabei nach Lust und Laune.
Interessanterweise lässt sich in den letzten Monaten gerade bei der Gruppe der Filmemacher und der Werber ein neuer Trend feststellen. Bis zuletzt wiesen sie stur auf die immense Wichtigkeit eines professionellen Equipments hin. Heute jedoch nutzen sie diese neue Variante der Kommunikation nicht nur, sondern setzen sie auch gekonnt im jeweiligen beruflichen Umfeld ein. Ganz nebenbei werden so neue und bisher unbekannte Stilrichtungen geschaffen. Auch hinsichtlich der finanziellen Vermarktung scheinen bisherigen Regeln nicht mehr zu gelten. Selbst internationale Marken setzen bereits auf die Optik von verwackelten Handyaufnahmen und authentisch wirkenden Kommentaren aus dem Hintergrund.
Dass diese Entwicklung auch weitreichende Auswirkungen auf herrschende Berufsbilder hat, ist einleuchtend. Das neueste Resultat ist die Anerkennung des Berufs als „Transmedialer Producer”. Eines steht somit fest: Neue Handys schaffen nicht nur neue Jobs, sondern gleichzeitig auch neue Berufe. [•] Joachim KERN
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